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RSSPrint

Andacht zur Friedensdekade in Finsterwalde

Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech am 15. November 2018


Willkommen! Beim Vorbereiten dieser Friedensandacht fiel mir ein Liedtext ein, den wir in den 80er Jahren schon gesungen haben:

"Um Frieden haben wir schon oft gebetet, viele schöne Worte schon gemacht."

Ja, das stimmt. Seit langem. Und der Friede ist noch nicht eingekehrt. Friede ist fragil. Schauen wir in die Ukraine, nach Tschetschenien, in den Jemen, nach Afrika. Ins ehemalige Jugoslawien. Nach Südamerika. Nach Nordamerika.  Schauen Sie aber auch ins Internet, zu YouTube und Facebook. Frieden muss man suchen, ihm nachgehen, wie es die Jahreslosung für das Jahr 2019 sagt. Dass wir in Mitteleuropa seit 73 Jahren Frieden haben, ist starken zivilisatorischen Kräften und klugen Politikern zu danken, die nicht nachgelassen haben, Zusammenarbeit statt Abgrenzung und Handel statt Konflikt zu fördern. Dass das nicht leicht ist, zeigen die vielen rechtsnationalen Tendenzen auch in Europa. Aber wir haben äußerlich Frieden.

Und innerlich? Wie sieht es da aus, wo alles beginnt? In dem Menschen, der wir sind. Erzogen, geliebt oder wenig geliebt, gebildet oder überfordert, stark oder schwach. Ein Bischof, der von einem jungen Menschen gefragt wurde, was er für den Frieden tun könne, antwortete er: „Schlagen Sie zuhause die Tür nicht so laut zu“. Friede beginnt bei solchen Kleinigkeiten. Beim Bemühen um Respekt und Toleranz. Aber er beginnt auch bei der Intervention gegen Respektlosigkeit und Gewalt. In Kindergärten und Schulen ist es erforderlich, mit Mut und Stärke einzuschreiten, wenn Kinder andere drangsalieren und einschüchtern.

Es reicht nicht abzuwarten. Frieden ist fragil. Bricht die Gewalt durch, hält sie keiner mehr auf. Hass und Neid bleiben lange im Kopf, in Worten und Gesten, aber brechen sie aus, geben sie keine Ruhe. Frieden ist fragil, und jeder einzelne muss ihm nachgehen, ihn einüben und durchhalten. 

Angesichts vieler rechtsextremer Parolen bin auch ich manchmal ratlos. Dann beschränke ich mich bei einer Antwort auf Pauschalisierungen auf den Satz: „Das stimmt nicht“. Argumente haben es gegen Emotionen schwer. Aber Emotionen helfen uns nicht. Gefühlte Wahrheiten sind nur ein Teil der Wahrheit. Es gibt Fakten, die Gefühle stützen oder in Frage stellen.  Aber alles beginnt in mir selbst. Wie denke ich? Was strahle ich aus?

Wenn Kinder im Grundschulalter gegen Menschen anderer Hautfarbe schimpfen, höre ich das Elternhaus. Was für eine Haltung geben wir weiter? Was für Erfahrungen sind wir bereit zu machen? Ich habe es schon oft erlebt, dass ich meine zuvor gefasste Meinung über einen Menschen revidieren musste, als ich bereit war, mit ihm zu sprechen, ihr oder ihm zuzuhören. Manche Merkwürdigkeit erklärt sich im Gespräch und der andere wird verstehbar. Aber ich muss den Mund aufmachen und nicht die Tastatur bedienen. Ich muss bereit sein zu hören, die Tür zu öffnen und etwas von meiner Zeit zu geben. Friede ist ein Weg. Und er beginnt im Kleinen. In mir. In meinem Herzen, in meinen Gedanken, in meiner kleinen Welt. 

Wenn die Welt um uns ein Abbild unseres Inneren ist – und jetzt kehre ich zurück ins Globale – dann ist es ernst. Meere voller Plastik, Tiere in Haltungsbedingungen, die wir nicht genau wissen wollen. Zerstörte Landschaften, Monokulturen, Ausbeutung und Ungleichheit an allen Enden. Das geht so nicht mehr lange. Der Preis für solche Zustände ist hoch: verzweifelte, wütende Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben. Innerlich und äußerlich kaputt. Friede ist ein Weg, der beschritten werden muss und der ein hartes Stück Arbeit ist.

Ich wünsche uns allen die tägliche Kraft dazu und lese ihnen ein kleines Mutmach-Gedicht vom Frieden im Kleinen von Axel Kühner:

Pummerer, in morgendlich-heiterer Ruh,
lächelte seinem Nachbar Mommer zu.
Dieser, durch das Lächeln ebenfalls heiter,
gab es an den Straßenbahnschaffner weiter,
der an die kleine Verkäuferin,
und die an den Dr. Müller-Zinn, Facharzt für Psychiatrie,
dieser an Schwester Elke vom Kinderhort,
diese an die Toilettenfrau – und so fort.
So kam es schließlich irgendwann
abends gegen 6 Uhr am Schillerplatz an.
Bei einem im Augenblick traurig-tristen,
durch das Lächeln doch erheiterten Polizisten.
So dass er, als Pummerer den Verkehr blockierte,
den Verstoß (nur) mit einem Lächeln quittierte.

Gebet

Wenn wir nicht mehr an den Frieden glauben können in unseren Beziehungen, an unseren Arbeitsplätzen, in unseren Familien und unseren Orten, dann, Gott, hilf unserem Unglauben. Wenn unsere Hoffnung kränkelt, dann heile uns von der Hoffnungslosigkeit. Wenn Lieblosigkeit und Müdigkeit unser Leben drücken, dann gib uns Flügel! Lass uns gewaltig lieben und nimm der Macht die Gewalt. Wenn unsere Angst groß wird, dann breite den Frieden sanft in uns aus. Hilf uns und erfülle uns alle mit deinem Licht, mit deiner Kraft, deiner Liebe.
Amen

Letzte Änderung am: 14.01.2020